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Spielraum Baukunst

Exposé zum Promotionsvorhaben von Marcus Heider:

Spielraum BauKunst.

Die architektonische Konzeption des Werner Ruhnau (1922 – 2015).

(Arbeitstitel)

Inhalt:

  1. Thema und Zielsetzung

  2. Stand der Forschung

  3. Relevanz der Untersuchung

  4. Vorgehensweise und Methoden

  5. Zeit- und Ablaufplan

  6. Anhänge, Literaturliste (Auswahl), Biografische Daten

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1. Thema und Zielsetzung

Das Blau ist der Garten Eden“ (1) oder BauKunst vs. Kunst am Bau.

Werner Ruhnau steht mit seinem Schaffen für ein Werk, das weit über das typische Betätigungsfeld eines Architekten hinausgeht.

Spätestens mit dem Beginn der Konzeption des Theaters in Gelsenkirchen (1955-1959), das zu seinen wichtigsten Bauten zählt, wird Ruhnaus Anspruch klar, von Beginn an im architektonischen Planungsprozess Künstler als „Sonderfachleute für Ästhetik“ (2) einzubeziehen und gleichberechtigt mit den üblichen Fachleuten einer Baustelle wirken zu lassen.

Darüber hinaus gelingt ihm bei diesem Projekt auch die Umsetzung einer einzigartigen Herangehensweise für die Bewältigung einer Bauaufgabe des 20. Jahrhunderts. In der alten Feuerwache unmittelbar an der Baustelle des Theaters, der sog. „Bauhütte“ (3, 4) realisiert er die Idealvorstellung, den Bau gemeinsam mit Technikern und Künstlern zu gestalten.

Der integrative Schaffensprozess als gelebtes Konzept.

Damit ging Ruhnau in die Rolle eines Intendanten, Dirigenten, Kurators, welche weit über die „übliche“ Architektentätigkeit hinausführt. Dies gelingt ihm mit einer für ihn offenbar typischen Heiterkeit und Leichtigkeit.

Künste sind sinngebende Spiele. (5)

Die Forschungsarbeit soll aufzeigen, welche aktuelle Relevanz der von Ruhnau formulierte interdisziplinäre Prozess des Planens und Bauens und das damit verbundene Bild des Architekten hat und welche Entwick-lungsmöglichkeiten den heutigen „Architekturschaffenden“ hiermit aufgezeigt werden können.

Hierbei soll untersucht werden, welche Wirkung die Konzeption von Ruhnau für ein Bauwerk entfalten kann und welche Chancen und welchen Nutzen die Kunst als integrativer Bestandteil der Architektur bietet. Also Kunst nicht als die Kostengruppe 750 in DIN 276 zu begreifen sondern als Möglichkeit, ein Gebäude über „Gebautes“ hinaus zu definieren. BauKunst als Spielraum.

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2. Stand der Forschung

Der vorgenannte integrative Prozess bei der Planung und Realisierung einer Bauaufgabe unter Beteiligung von Künstlern, Planern, Fachplanern und Handwerkern kommt in beinahe jeder Publikation über Werner Ruhnau zur Sprache.

Jedoch gibt es bislang keine umfassende Dokumentation oder Zusammenführung bzw. theoretisch wissen-schaftliche Betrachtung, die den Aspekt der Kunst und des Spiels in Ruhnaus Schaffen eindeutig in den Vordergrund stellt und auch eine Abgrenzung zur profanen „Kunst am Bau“ liefert. Auch das Spielen, als zentrale aber natürlich mitunter schwer beschreibbare Tätigkeit des Nutzers respektive Besuchers von Architektur, von Raum in Ruhnaus Werken ist zwar Inhalt zahlreicher Interviews und Aufsätze, stellt sich aber teilweise bruchstückhaft bzw. schwer erfassbar dar, da die Veröffentlichungen hierzu die „Genregrenzen“ sprengen.

Spiel, Theater, Tanz, Inszenierung

Erwähnt seien hier exemplarisch die „Bühnentechnische Rundschau“ mit dem Artikel „Die Spielstraße im Olympiapark“ in Heft 3 in 1973 oder dem Aufsatz „Offene Spielräume. Aufbrechen traditioneller Theater-formen in der Bundesrepublik seit 1945“ im Sonderheft 1983, sowie das Magazin „Tanz aktuell“ mit dem Interview „Hellerau“, geführt mit Elisabeth Stelkens und Werner Ruhnau in der Ausgabe Juni/Juli im Jahre 1992. Daneben die „Schriften der dramaturgischen Gesellschaft, Berlin“ mit „Auf der Suche nach neuen Spielräumen“ in Band 11 aus dem Jahre 1979. Um nur eine kleine Auswahl der zahlreichen Aufsätze und Interviews über und mit Werner Ruhnau zu nennen.

Spiele, Feste, Konzepte

Einige wichtige Inhalte seiner Konzeptionen scheinen sogar heute mitunter völlig irreführend dargestellt zu werden. So heißt es etwa in der Publikation „München ´72“ der Edition Bayern, Sonderheft #02, herausgegeben 2010 vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg zur Spielstrasse auf dem Olympiagelände: „Das Organisationskomitee war wohlwollend interessiert, denn die ,Spielstraße‘ verkörperte das Motto der ,heiteren Spiele‘ besonders nachhaltig. Doch die Befürchtung, dass es hier zu unvorhersehbaren Geschehnissen kommen könnte, blieb an der ,Spielstraße‘ haften und bescherte ihr immer auch aufmerksam-ängstliche Beobachtung durch die Organisatoren.“ (6) Bebildert wird diese Aussage mit der Arbeit „Sportler nach dem Endspurt“ von Günther Weseler, die eine aufgeschlitzte, mit Sportanzug bekleidete Schaufensterpuppe zeigt. Dazu wird das Plakat „Deutsch-deutscher Medaillenspiegel“ abgebildet, welches hier einem unbekannten Künstler zugeschrieben wird, dem Archiv Ruhnau nach jedoch eindeutig dem Trio Peter Mell, Hans Poppel und Uwe Streifeneder zuzuordnen ist.

Mag diese Darstellung auch recht einseitig sein und mitunter ein Ergebnis interesseloser Recherche, so zeigt sich doch hier nichts von der Heiterkeit und Leichtigkeit mit der das Projekt konzipiert wurde. Der Artikel bildet wohl bekräftigend die damalige Entscheidung der Olympia-Verantwortlichen ab, die Spielstraße nach dem Attentat vom 05. September 1972 zu schliessen. Daneben fällt die Spielstraße in dieser doch wohl als „offiziell“ zu wertenden Publikation über die Olympischen Spiele 1972 unter die Rubrik „Begleitprogramm“.

Ganz anders äussert sich Ruhnau selbst dazu im Jahre 2003 in den „Reflexionen zu den Spielen 1972 in München“:

„Bei den Ereignissen auf der Spielstraße kam es auf meßbare Ergebnisse nicht an. Der ,Gewinn‘ für den Teilnehmer am festlichen Spiel zwischen Sportlern, Künstlern und Besuchern war deren Zuwachs an schöpferischer Mitverantwortung am Ablauf des Spiels. So entwickelten wir das Konzept Spielstraße als unseren Beitrag zum von Willy Daume gewollten ,Gesamtkunstwerk‘ Olympische Spiele München, 1972.“ (7)

Bauten der Wirtschaft und Verwaltung und Wohnbauten

Zu einigen Projekten liegen fast ausschließlich, wenn auch teils umfangreich, Veröffentlichungen in Fachmagazinen vor. So etwa für den Neubau des Verwaltungsgebäudes der Herta KG, Herten (1968-1972) oder den Umbau des Verwaltungsgebäudes der Flachglas AG, Gelsenkirchen (1982). Sowie den Siedlungen Köln-Lechenich (1960-1967), Velbert-Offerbusch (1968-1972) und der Werkbundsiedlung Oberhausen-Altenstadt (1984-1990).

Aktuelle Publikationen, Kataloge, Ruhnau als Herausgeber und Verleger

Einen sehr guten Überblick über das komplette Wirken und Werk von Werner Ruhnau bietet indessen das 2007 erschienene Buch „Werner Ruhnau: Der Raum, das Spiel und die Künste“, von Dr. Dorothee Lehmann-Kopp, das anlässlich der gleichnamigen und umfassenden Ausstellung im Musiktheater im Revier in Gelsen-kirchen erschienen ist, die hier vom 15.04.2007 bis zum 25.06.2007 gezeigt wurde. Das Ausstellungsprojekt und der Katalog bieten erstmalig eine Aufarbeitung des gesamten Schaffens von Werner Ruhnau. Die reich bebilderte und mit teilweise bislang unveröffentlichten Materialien versehene Publikation ist in der Form eines Interviews aufgebaut und aus verschiedenen Quellen komponiert. (8)

Dem Katalog gelingt es auf eindrucksvolle Weise, dem Leser das Werk Ruhnaus näher zu bringen und soll als eine der Grundlagen für das Forschungsvorhaben dienen, wird hier doch eine Darstellung der Lebens- und Schaffensperioden in chronologischem und thematischem Zusammenhang verknüpft. Ein weiterer Teil von Ruhnaus Projekten ist auch von ihm selbst dokumentiert, wie etwa in dem Buch „Werner Ruhnau, Baukunst. Das Gelsenkirchener Theater“, Düsseldorf/Essen 1992, oder in „Werner Ruhnau, Spielstraßen“, Essen 1972. Auch gerade die von ihm selbst herausgegebenen oder verlegten Publikationen geben einen wertvollen und direkten Einblick in sein Schaffen und bilden damit einen wichtigen Hintergrund der Forschungsarbeit.

Zusammenfassend kann damit festgehalten werden, daß eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Inhalten des formulierten Forschungszieles bislang sehr begrenzt stattgefunden hat bzw. durch die jeweilige Überschreitung der Disziplinen Architektur, Malerei, Theaterwissenschaft, Dramaturgie, Schauspiel, Tanz, Regie, Musik, Bildhauerei, etc. eine Übersicht schwer zu fassen ist.

Dies ist in soweit eine logische Einlösung des Schaffens eines „Grenzgängers“ (9) zwischen den Künsten.

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3. Relevanz der Untersuchung

„Der Terminus ,Kunst am Bau‘ ist ein Begriff, dessen Klang heute für viele Architekten und Investoren nicht automatisch ein Wohlklang ist. Wohl kaum ein anderer Begriff hat in unserer Branche in den vergangenen Jahrzehnten einen ähnlichen Bedeutungswandel erfahren.

(…)

Zu oft wird inzwischen die Kunst als Dekoration missachtet. Oft zu unrecht, denn viele Beispiele faszinieren trotz der veränderten Methode, Kunst und Bauwerk zusammenzubringen. Zu sehr ist die Konfliktfreiheit heute dem Zufall oder dem diplomatischen Geschick des Architekten geschuldet.“

So Hartmut Miksch in: Die Integration von Kunst in den Bauprozess: Ein Plädoyer für BauKunst. (10)

Kunst am Bau oder besser die integrative BauKunst ist heute im Grunde höchstens als Randerscheinung von Architekturen z.B. der Wirtschaft oder Verwaltung bzw. öffentlicher Gebäude wahrzunehmen. Eine Ausnah-meerscheinung bildet das 2005 eröffnete und von Ingenhoven Architekten geplante „Lufthansa Aviation Center“. Hier gelingt es auf beispielhafte Art, die Kunst im besten Sinne Ruhnaus, Teil der Architektur werd-en zu lassen. So gibt es z.B. einen Pagodenturm von Michael Beutler, der als eigenes Bauwerk im Bauwerk steht, großformatige Fotografien von Beat Streuli, die als überdimensionale Prints Teil des Mobiliars werden, oder Aufnahmen von Thomas Demand, die als raumbildende Elemente eine eindrucksvolle Atmosphäre erzeugen, um hier nur einige Arbeiten und Künstler zu nennen. (11)

Das geschilderte Beispiel steht wie gesagt als positiver Ausnahmefall für die Begriffsverbindung Kunst und Bauen, die wohl allgemein den bereits von Hartmut Miksch konstatierten Bedeutungswandel erfahren hat.

Die konzipierte Forschungsarbeit greift mit den unter den Punkten 1. und 2. dargelegten Konzeptionen Ruhnaus und ausgehend von seinem Werk die Frage nach der Stellung der Kunst im heutigen Bauprozess auf. Hierfür ist das Schaffen Werner Ruhnaus durch seine Vielfältigkeit als Basis und Ausgangspunkt der Betrachtung untersuchenswert. Es gilt, den Namen Werner Ruhnau weiterhin einer (Architekten-) Öffentlichkeit präsent zu halten. Im Gegensatz zu einigen von Ruhnau geförderten, oder gar entdeckten Künstlern wie Yves Klein und Jean Tinguely, fehlt sein Name in diversen, mitunter geläufigen oder gar populären Standardwerken komplett. So verzeichnet z.B. die letzte gedruckte Ausgabe der Brockhaus Enzyklopädie keinen Eintrag, in Lampugnanis „Lexikon der Architektur des 20. Jahrhunderts“ wird Werner Ruhnau lediglich in einem kurzen Halbsatz als Gründungsmitglied der Group d‘ Etude d‘ Architecture Mobile (GEAM) aufgeführt. (12) Auch die einschlägigen und üblicherweise recht ergiebigen Online-Quellen sind bis auf die von Ruhnau seinerzeit selbst gepflegten Inhalte recht dürftig.

Aspekt der künstlerischen Forschung, Genese und Ästhetik künstlerischer Werke

Die projektierte Arbeit soll ebenfalls im Sinne künstlerischer Forschung untersuchen, wie künstlerische Werke – hier im integrativen Zusammenspiel – zur kulturellen Vielfalt von Gesellschaft beitragen, diese repräsentieren und die ästhetische Wahrnehmung sensibilisieren.

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4. Vorgehensweise und Methoden

Das konzipierte Projekt ,Spielraum BauKunst. Die Architektonische Konzeption des Werner Ruhnau (1922- 2015)‘ soll einen Beitrag zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Konzeptionen zu Kunst und Spiel in Werner Ruhnaus Schaffen leisten, welcher als Grundaussage eine Perspektive für den Umgang mit integrativen Architekturprozessen bieten kann. (13)

Folgende Arbeitsschwerpunkte sollen der Untersuchung zugrunde liegen:

  1. Untersuchung und Darstellung der Konzeptionen Ruhnaus anhand realisierter Projekte: Theater Gelsenkirchen (1955-1959), Spielstraße, Olympische Spiele, München (1968-1972), Neubau des Verwaltungsgebäudes der Herta KG, Herten (1968-1972), Beteiligung Künstler-Nekropole von Harry Kramer, Kassel (1994). Hierbei soll z.B. geklärt werden, in welchem zeitlichen Kontext die Projekte realisiert und welche Künstler und Kunstwerke gewählt wurden, wie die Auswahl zu Stande kam, wie sich der Zustand der Arbeiten damals und heute zeigt und welche Akzeptanz und welcher Umgang der Nutzer der Projekte damals den Konzeptionen gegenüber bestand bzw. heute besteht.

  2. Untersuchung der Konzeptionen Ruhnaus hinsichtlich einer Einordnung in den architekturgeschichtlichen Kontext und ihre gesellschaftliche Relevanz damals und heute.

  3. Zusammenführung der Ergebnisse aus den vorgenannten Punkten zur Überprüfung der formulierten Zielsetzung und Begriffsbestimmung.

Für die Erhebung der Daten und Informationen dient die vorliegende und verfügbare Primär- und Sekundär-literatur. Die Hauptbereiche sind Architektur, Architekturgeschichte, Ingenieurwissenschaft, Kunst, Kunstgeschichte. Darüber hinaus führte Werner Ruhnau ein umfangreiches Archiv seiner Arbeiten und Projekte, das zur vertiefenden Recherche Auskunft geben kann. Daneben möchte ich wo und wie möglich mit Zeitzeugen sprechen.

Um die Projekte im derzeitigen Zustand bewerten zu können, sind zudem Reisen zu den Standorten geplant, in deren Rahmen die Bauten jeweils auch fotografisch neu und aktuell dokumentiert werden. Es ist vorge-sehen, die Projektarbeit umfänglich zu bebildern. Die Entstehung der Arbeit möchte ich ergänzend in Form von Bild-, Ton- und Filmaufnahmen dokumentieren.

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5. Zeit- und Ablaufplan

Die Bearbeitung des Promotionsprojektes ist auf die Dauer von max. 3 Jahren ausgelegt, wobei den unter Punkt 4. (Methodische Vorgehensweise) dargestellten Themenschwerpunkten jeweils etwa ein Jahr Bearbeitungszeit zugedacht ist.

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6. Anhänge

Literaturliste (Auswahl):

Abeck, Susanne, Die Soziale Botschaft war Offenheit. Interview mit Werner Ruhnau zur Architektur im Ruhrgebiet, in : Form. Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Heft 2, 2001, S. 12-24.

Archiv Baukunst (Hrsg.), 50 Jahre Theaterbau Gelsenkirchen 1959-2009, Werner Ruhnau – Konzeptionen und Ihre Geschichte, Essen 2009

Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Haus der Bayerischen Geschichte (Hrsg.), München ´72, Edition Bayern Sonderheft #02, Augsburg 2010.

Barth, Anne (Hrsg.), Hugo Kükelhaus (1900-1984), Leben und Werk, Erlangen 1997

Beuckers, Klaus Gereon, Dé-collage und Happening von Wolf Vostell (1932-1998), Kiel 2012

Bockemühl, Michael; Hesse, Michael (Hrsg.), Kunstort Ruhrgebiet. Musiktheater Gelsenkirchen. Yves Klein: Blaue Reliefs, Essen 1995.

Eckhart, Dirk, Die Kasseler Künstlernekropole, Norderstedt 2000

Kükelhaus, Hugo; zur Lippe, Rudolf. Entfaltung der Sinne, Wiesbaden 1982

Lampugnani, Vittorio Magnago (Hrsg.), Lexikon der Architektur des 20. Jahrhunderts, Ostfildern-Ruit, 1998

Landgrebe, Angela, Künstler-Nekropole Kassel, Kassel 2004

Lehmann-Kopp, Dorothee, Werner Ruhnau: Der Raum, das Spiel und die Künste, Gelsenkirchen 2007

Piscator, Erwin, Entstehung und Aufbau der Piscator-Bühne, in: Bauwelt Ausgabe 25/26, 1963

Ruhnau, Werner, Architekt Werner Ruhnau und seine Konzeption, München 1960

Ruhnau, Werner, Baukunst, Das Gelsenkirchener Theater, Düsseldorf/Essen 1992

Ruhnau, Werner, Versammlungsstätten, Gütersloh 1969

Ruhnau, Werner, Yves Klein in Gelsenkirchen, Essen 2005

Stachelhaus, Heiner (Hrsg.), Yves Klein – Werner Ruhnau, Recklinghausen 1974

Ulrichs, Timm, Betreten der Ausstellung verboten. Werke von 1960-2010, Hannover 2011

Vostell, Mercedes, Vostell: ein Leben lang, Berlin 2012

Biographische Daten (14):

1922

geboren am 11. April in Königsberg

1940 – 1941

Wehrdienst

1941 – 1943

Studium der Architektur und Kunstgeschichte in Danzig

1943 – 1945

Wehrdienst

1945 -1950

Studium der Architektur an der Technischen Hochschule Braunschweig und Karlsruhe, Diplom

1952 – 1954

Landwirtschaftskammer Münster

1955 – 1959

Theater Gelsenkirchen

1958 / 1959

Entwürfe „Podienklaviere“ für die Theater in Bonn und Düsseldorf

1960 – 1967

Siedlung Köln-Lechenich

1962

Einladung von Sir Laurence Olivier zu Planungsgesprächen für das Nationaltheater London

1965 – 1967

Lehrtätigkeit an den Universitäten in Québec und Montréal, Kanada

1967

Entwürfe für die Weltausstellung in Montréal. Konzepte für Theaterstücke zum Mitspiel, u.a. mit Claus Bremer und Paul Pörtner

1968 – 1972

Spielstraße, Olympische Spiele München

1968 – 1972

Neubau des Verwaltungsgebäudes der Herta KG, Herten

1968 – 1972

Siedlung in Velbert-Offerbusch

ab 1970

Projekt Delos 2000, Siedlung in Herten

1970 – 1971

Lehrtätigkeit Universität Köln, Institut für Theaterwissenschaft

1973 – 1975

Lehrtätigkeit an der Städelschule, Staatliche Hochschule f. Bildende Künste Frankfurt

1974

„Spielstraße“ anläßlich der Deutschen Woche in London

1977 / 1978

Lehrtätigkeit an der Universität Essen

1978 – 1982

Umbauten für das Schauspielhaus Frankfurt

1981

Eröffnung der Ausstellung Ruhnau im KunstOrt Essen-Kettwig (seit 1995 Archiv Baukunst – Anita und Werner Ruhnau)

1982

Umbau Verwaltungsgebäude der Flachglas AG, Gelsenkirchen

1983 – 1985

Gestaltung U-Bahnhof Viehofer Platz, Essen

1984 / 1985

Sommerakademie in Salzburg mit Günther Schneider-Siemssen und Otto Piene

1985

Haus Piltz, Düsseldorf

1984 – 1990

Werkbundsiedlung Oberhausen- Altstaden

1986 – 1990

Umbau Grillo-Theater Essen

1988 – 1989

Umbau Ebertbad Oberhausen

1991

Initiative zur Gründung der „Europäischen Werkstatt für Kunst und Kultur in Hellerau“, Mitwirkung bis 2002

1992 – 1995

Umbau Theater der Altmark, Stendal

1993 – 1996

Gestaltung U-Bahnhof Mülheim an der Ruhr – Mitte

1994

Beteiligung Künstler-Nekropole von Harry Kramer, Kassel

1996

Entwürfe für den Schlossplatz Berlin, „Tempel der Elemente“

1999

Mitwirkung an der „Meile der Künste“, Essen Kettwig

2004

Architektur tanzt. Darstellende Kunst in öffentlichen Räumen“, Initiative des Deutschen Werkbundes NW, gemeinsam mit dem BDA Ruhrgebiet

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(1) Ausspruch von Werner Ruhnau im Rahmen der Veranstaltung „Werner Ruhnau 85“ anlässlich seines 85. Geburtstages im April 2007 im Kunstverein Ruhr, Essen.

(2) Lehmann-Kopp, Dorothee, Werner Ruhnau: Der Raum, das Spiel und die Künste, Gelsenkirchen 2007, S. 35, (erschienen anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen, vom 15. April bis 24. Juni 2007).

(3) Ebd. S. 35.

(4) Der Name „Bauhütte“ wird Helmut de Haas zugeschrieben, vgl. Werner Ruhnau (Hrsg.), Werner Ruhnau Baukunst, Düsseldorf/Essen, S. 40, im Text von Anita Ruhnau: Die „Bauhütte“ – Das Leben in der Alten Feuerwache.

(5) Ebd. S. 133.

(6) Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Haus der bayerischen Geschichte (Hrsg.), München ´72, Edition Bayer, Sonderheft # 02, Augsburg 2010, S. 54.

(7) vgl. Lehmann-Kopp, Dorothee, Werner Ruhnau: Der Raum, das Spiel und die Künste, Gelsenkirchen 2007, S. 89.

(8) Ebd. S. 6.

(9) Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW (Hrsg.), Werner Ruhnau: Der Raum, das Spiel und die Künste, Ausstellung zum Lebenswerk des Architekten und Grenzgängers, Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen, Informationen für die Presse, Gelsenkirchen, 10. April 2007.

(10) Aus einem Vorwort von Hartmut Miksch in: Archiv Baukunst (Hrsg.), 50 Jahre Theaterbau Gelsenkirchen 1959-2009, Werner Ruhnau – Konzeptionen und Ihre Geschichte, Essen 2009, S. 6.

(11) Hollein, Max; Schafhausen, Nicolaus (Hrsg.), Kunst/Art Lufthansa Aviation Center, Frankfurt 2007.

(12) Vgl. Lampugnani, Vittorio Magnago (Hrsg.), Lexikon der Architektur des 20. Jahrhunderts, Ostfildern-Ruit 1998, S. 121.

(13) Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW (Hrsg.), Werner Ruhnau: Der Raum, das Spiel und die Künste, Ausstellung zum Lebenswerk des Architekten und Grenzgängers, Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen, Informationen für die Presse, Gelsenkirchen, 10. April 2007.

(14) Übernommen aus: Lehmann-Kopp, Dorothee, Werner Ruhnau: Der Raum, das Spiel und die Künste, Gelsenkirchen 2007, S. 244 – S. 246.

Urhütte & Utopie

Vorwort

Urhütte & Utopie

Der Anfang und das Ende? Eine Grundlage? Etwas Geschichtliches? Die Zukunft? Eine bloße Theorie? In jedem Fall eine architektonische Auseinandersetzung, die jeder Architekt mit sich selbst oder in Gemeinschaft, einmal und am besten immer wieder führen sollte. Über dieses Thema zu philosophieren erfordert mehr als den architektonischen Entwurf. Es beinhaltet in der folgenden Auslegung viel mehr die Auseinandersetzung mit eben diesem und mit der Auswirkung, die Architektur haben kann. Die Auswirkung der guten, aber auch schlechten, konzept- oder gar kontextlosen Architektur.

Meine Interpretationen von Urhütte und Utopie sind keineswegs als Entwürfe zu verstehen. Sie sind ein Ansatz von Ermahnung, ein Aufruf die eigenen gestalterischen Grundsätze und Herleitungen zu hinterfragen und das immer wieder.

Um ein schützendes Dach zu bauen, bedarf es keiner architektonischen Denkleistung oder Konstruktion. Architektur verkörpert die Zusammenkunft sämtlicher vorherrschender Einflüsse, deren Perfektion erstrebenswert, aber niemals erreichbar ist. Durch die Auslegung von Urhütte und Utopie soll dieser Perfektionsgedanke mit Hilfe von zwei Gegensätzen verdeutlicht werden. Eine Wunsch- und eine Angstvorstellung. Die pure Freiheit von Beobachtung und der Selbstmord der Wahrnehmung.

Die bildlichen Aussagen unterstützen den Text. Sie sind kein Kunstwerk, eher eine Unterstützung der Vorstellung, wobei die eigene Vorstellung zu dem folgenden Text, vielmehr “Urhütte” und “Utopie” ist, als jede Darstellung zeigen kann. Denn Wahrnehmung ist individuell, ebenso die Urhütte & Utopie. Es sind Vorstellungen, keine Wirklichkeit, keine abbildbare Sache.

Beobachtung ist das Werkzeug der Architekten, das Konzept die daraus reslutierende Konsequenz, die unabdinglich ist für den Entwurf.

Man kann nur hoffen, dass dieses Werkzeug grade zur heutigen Zeit mehr denn je, geschätzt, geschult und gepflegt wird.

Kira van der Giet


urhuette

Eine Urhütte _ eine Wunschvorstellung

Ich behaupte der Mensch ist kein Erfinder! Der Mensch beobachtet. Er ist wenn man so will Opfer seiner Umwelt. Ich    behaupte, der Mensch beobachtet Geometrien aus seiner Umwelt, ganz gleich auf welchem Fleck der Erde er sich befindet. Ich behaupte, dass er die Horizontale, die Senkrechte und die Diagonale nicht erfunden sondern beobachtet bzw. entdeckt hat, ganz gleich auf welchem Fleck der Erde er sich befand. Ich behaupte, dass die Beobachtung von seiner Selbst, seiner Umwelt mit allen Geometrien der Ursprung der Hütte, eben der Ursprung für Architektur ist.

Ich behaupte die Urhütte ist eine Geometrie, die jede denkbare Form annehmen kann, aber erfunden wurde sie nicht. Ich behaupte, Architektur ist das Verknüpfen sämtlicher Umstände, Proportionen, Einflüssen, Bedürfnissen und Ähnlichem. Der Mensch beobachtet, erkennt und errichtet. Er erfindet nicht, er schafft.

Aus der Beobachtung entstehen Elemente die in Funktion und Wirkung transformiert werden.

Es gibt keinen Typ Ur-Hütte der sich abbilden lässt, kein Muster, keine konkrete Form. Das alles ist irrelevant. Interressant und relvant sind die Vorausetzung, die jeder Hütte, gleich in welcher Zeit sie entsteht, gleich an welchem Ort sie entsteht, vorraus gehen. Beobachten, erkennen, bewirken zu jeder Zeit, immer wieder aufs Neue.

Das architektonische Konzept muss immer wieder eine Urhütte beinhalten. Eben die Auseinandersetzung mit dem großen Ganzen, sämtlichen Bedürfnissen, der Wahrnehmung aus möglichst vielen Perspektiven, dem Ein-und Ausblick, den erschaffenen Grenzen, letztendlich einem unerfassbarem Spektrum an Einflüssen und Gegebenheiten.

… Die Ur-Hütte ist ein Bild transformierter Eindrücke und Beobachtungen individueller Wahrnehmung…


utopie

Eine Utopie _ eine Angstvorstellung

Die Utopie hat unbedingt etwas mit der Ur-Hütte zu tun!

Ich befürchte, der Mensch wird fähig sein, seine komplette Umwelt, in jeder erdenklichen Form künstlich zu animieren. Ich befürchte er wird fähig sein, Behaglichkeit, Umwelt, Außenraum, Innenraum usw. zu animieren. Ich befürchte, dass diese künstlich hergestellte Wirklichkeit zur absoluten Irritation der Wahrnehmung führt. Die Beobachtung kann nicht mehr fortschreiten, nicht mehr existieren, denn der Mensch sieht nur noch was schon gesehen wurde. Ich befürchte, dass nicht mehr die “Natur” sondern die Technik, von den von uns geschaffenen Computern über unser “Klima” entscheidet.

Ich befürchte, dass die wesentlichen Bestandteile der Architektur verloren gehen werden. Elemente, Einblick und Ausblick werden nur noch in der animierten Wirklichkeit existieren. Der Mensch bewegt sich dann nicht mehr auf Straßen, er kommuniziert nicht auf Plätzen. Die Welt wird zu einer Vernetzung, in der alles in Sekundenschnelle  erreichbar scheint. Grundrisse, bzw. Raumfolgen existieren nicht mehr, sie sind variabel. Ein und derselbe Raum ist wandelbar in Bad, Wohnzimmer und Schlafzimmer, eben in alles Denkbare.

Wenn sowohl Außenwand als auch Innenwand aus einer animierten Fassade bestehen, geht der Kontext verloren, jegliche Möglichkeit zu beobachten, zu erkennen geht verloren… Stadt gibt es nicht mehr, sie wird ersetzt durch ein Netz, das den Menschen mit Nahrung versorgt, Abfall entsorgt, Kommunikation möglich macht. Ein Netz, das eine einzige Irritation ist. Ein Netz, das den Lebensraum auf einen einzigen Raum beschränken könnte. Der Wohnraum ist dann ein Katalog. Die Wände des Raums sind die Seiten des Katalogs, der Mensch ein Gefangener in einer Welt die er selbst zu kontrollieren denkt, in der er seine Beobachtung, seine Fähigkeit zu erkennen und im Endeffekt zu bewirken, selbst vernichtet hat.

… Die Utopie ist ein Katalog der beobachteten Umwelt, der keinen Fortschritt mehr ermöglicht…

Kopf- und Fingerübungen.

Kopf- und Fingerübungen. (Arbeitstitel zur Konzeption eines Wahlmoduls)

Ein Haus ist mehr als vier Wände mit Dach und Architektur ist mehr als Bauen. Im Rahmen der Übungen sollen ausgehend von einer Fragestellung, provokanten These oder Schlagworten Antworten gefunden und Diskurse in Gang gesetzt werden. Die Ergebnisse stellen sich in skizzenhaften Entwurfslösungen in Form von Modellen oder Zeichnungen bzw. auch schriftlichen Ausarbeitungen dar. Entscheidend ist die hier fachübergreifende Methodik. Welche Zusammen- hänge bestehen zwischen Kunst und Konstruktion, Philosophie und Gestaltung oder Ökonomie und Gesellschaftskritik? Woraus nährt sich Architektur? Welche Verantwortung trägt ein Architekt? Ist das Kunst? Die Bearbeitung erfolgt in sehr begrenztem zeitlichen Rahmen und soll sich zwischen zwei Stunden und einem Tag bewegen. Je nach Komplexität des Themas erfolgt eine entsprechend umfangreiche Einführung und Erläuterung, begleitet von Literaturhinweisen.

Themenkonzept:

  1. A Priori. Frühstück mit Wittgenstein. Die Poetik eines Mauervorsprungs.
  2. Konsum. Einkaufen mit Walter Benjamin. Flanieren durch die Mall.
  3. Krawall. Im Vogelnest. Günter Behnisch und der deutsche Bundestag.
  4. Muh. Im Kuhstall mit Hugo Häring.Haltung zum Tier.
  5. Brot und Spiele. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel? Olympia, Mammutbudget, grüne Wiese und die Folgen.
  6. Unsinn. Otl Aicher kocht mit Wasser. Design contra Nutzwert.
  7. Def 0. Alles nur virtuell? Architektur im Hackerspace.
  8. Negativ. Die Miessche Ecke. Bauökonomie en détail.
  9. Kulissenschiebung. Ein Senkblei als Winkelmaß der Geschichte. Der Frankfurter Römerberg.
  10. Terror. Architektur ist Geiselnahme. Bauen für Regime.
  11. Attitüde. Stolz und Vorurteil. Das Bild des Architekten in der Gesellschaft.
  12. Tanzen Sie. Spielraum Baukunst. Im Theater mit Werner Ruhnau.